Wahlstationen im Ausland -
Interview Bangkok

Tanja Dölle ist Referendarin und hat ihre dreimonatige Wahlstation in unserem Büro in Bangkok verbracht. Im folgenden Interview spricht sie über ihre Erfahrungen in der thailändischen Hauptstadt.


Während Deines Referendariats warst Du im Rahmen der Wahlstation in Bangkok, Thailand. Wie waren Deine ersten Eindrücke nach der Ankunft?
Das Büro in Bangkok befindet sich in einem modernen Gebäude mitten im zentralen Geschäftsviertel. Bisher war ich nur als Touristin in Bangkok und auf den ersten Blick wirkte die Umgebung des Büros wie eine andere Welt - verglichen mit den berühmten Backpacker-Straßen der Altstadt oder den bunten Tempeln und Orten, die ich bisher besucht hatte. Aber zwischen den hohen Bürogebäuden und Einkaufszentren gab es hunderte Street Food Stände und Händler, bei denen man vom Lotterie-Los bis zur hausgemachten Suppe alles kaufen konnte. Nachdem ich so viele Stunden zum Lernen in der Bibliothek verbracht hatte, war es überwältigend, dieses Treiben in Bangkok zu erleben.

Wie sah Dein typischer Arbeitstag aus?
Ein normaler Tag im Büro ging für mich von 9:00 – 18:00 Uhr. Da das Office in Bangkok recht klein ist, gehörte ich keinem spezifischen Team an. Stattdessen arbeitete ich für jeden, der gerade eine Aufgabe für mich hatte. Ich hatte dadurch die Gelegenheit, ganz verschiedene Fachbereiche wie M&A, Competition und Banking kennenzulernen. Ich unterstütze bei Due Diligence, schrieb Memos und überprüfte verschiedene Dokumente.
Jeden Dienstag fand ein Lunch-Meeting im Büro statt. Während des Essens hat man sich zu unterschiedlichen Themen und laufenden Projekten ausgetauscht. Zur „Tea Time“ haben wir uns jeden zweiten Freitag getroffen.
Der größte Unterschied war das Pendeln zum Büro: Mein Aufenthalt fand zur Regenzeit statt, also ging ich nicht zu Fuß, sondern nutzte Motorrad-Taxis, die schnellste Variante im verrückten Bangkoker Verkehr.

Wie würdest Du Deine Wahlstation in drei Worten beschreiben?
Lebhaft, bereichernd und nass.

Welche war die größte Lehre, die Du aus dem Auslandsaufenthalt gezogen hast?
Wie man sehr scharfes Essen isst, ohne dabei zu weinen. Auch war es eine große Herausforderung, die Namen von jedem meiner Kollegen zu lernen, da jeder Thai einen Spitznamen hat, der oftmals anstatt des richtigen Namens verwendet wird. Namensschilder und E-Mail-Adressen beinhalten allerdings nur der echten Namen, deshalb habe ich eine Weile gebraucht um zu verstehen, wer die Personen hinter den Spitznamen sind.

Welche Tipps würdest Du zukünftigen Referendaren in Bangkok geben?
Man sollte zumindest einige Vokabeln und Sätze auf Thai lernen. Damit kann man dann auch Street Food außerhalb der touristischen Bereiche bestellen, da viele Bürger kein Englisch verstehen.
Viele der Anwälte arbeiten bis spät in die Nacht und es gibt keine anderen Referendare im Büro. Daher würde ich empfehlen, mit Referendaren und Praktikanten aus den vielen Botschaften rund um das Büro in Kontakt zu treten. Das ist ein guter Weg, um neue Leute kennenzulernen, die nach Feierabend auch gerne die Stadt erkunden und an Wochenenden verreisen wollen.
Außerdem sollte man nach einer Unterkunft suchen, die sich so nah wie möglich am Office oder in Laufdistanz zu einer BTS- oder MRT-Station befindet. Bangkok ist eine riesige Stadt und der Rush-Hour-Verkehr ist schrecklich, vor allem wenn es durch starken Regen zu Ausfällen kommt.

Was denkst Du über das Referendarprogramm „Colleagues of Tomorrow“, das von Linklaters angeboten wird?
Das Programm ist wirklich toll. Linklaters bietet nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern hilft auch bei der Organisation der Wahlstation. Die Beantragung des Visums war komplizierter als erwartet und zusätzlich war ich mit der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung beschäftigt. Die Unterstützung, die ich vom Linklaters Team in Frankfurt erhielt, war von unschätzbarem Wert. Auch das Büro in Bangkok war mir eine große Hilfe, als ich eine Arbeitserlaubnis beantragen musste.

Mehr zu "Colleagues of Tomorrow" und zur Wahlstation im Ausland findet ihr hier.