„Wir blicken ständig über den eigenen Tellerrand.“
Kirstin Schwedt, LL.M.


Partnerin
Dispute Resolution, München

So gelingt mir die Work-Life-Balance:

Ehrlich gesagt gelingt sie mir nicht immer, aber ich bin mir sicher, dass es mir als Richterin, Inhouse-Juristin oder in einer kleineren Kanzlei auch nicht anders gehen würde. Auch dort würde ich mir immer neue Herausforderungen suchen. Letztlich liegt es an jedem selbst und am eigenen Ehrgeiz, seinen Job richtig gut zu machen.

Mein Tipp an Nachwuchsjuristinnen:

Einfach machen und ausprobieren, was man spannend findet – bloß keine Chancen auslassen und zu früh auf die Bremse treten, nur um vorgefertigten Rollenbildern gerecht zu werden. Zweifel sind normal und gehören mit dazu.


Nachgefragt


Der Umgang mit konservativen Rollenbildern, ein hervorragendes Women's Leadership Programme und wie Frauen von Selbstmarketing profitieren können – Partnerin Kirstin Schwedt berichtet im Interview von den Facetten einer Wirtschaftskanzlei.

Welche Herausforderungen erlebt man als Frau in der Kanzleiwelt?

Die Kanzleiwelt – nicht nur in der Großkanzlei – ist nach wie vor verhältnismäßig konservativ und sehr männlich geprägt. Ich war schon oft die einzige Frau in einem großen Meeting oder Schiedsverfahren. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten, weil wir alle, Männer wie Frauen, viel stärker von Vorurteilen und herkömmlichen Rollenbildern beeinflusst werden, als uns bewusst ist. Das alles bietet aber auch große Chancen, sich von der Masse abzuheben und positiv aufzufallen.

Was bietet Linklaters, was andere nicht bieten?

Ein hervorragendes Women’s Leadership Programme und ein immer stärker werdendes Netzwerk von ambitionierten und erfolgreichen Frauen und Mentoren, die als Vorbilder oder Ansprechpartner zur Verfügung stehen – und echte Überzeugungstäter in Sachen Frauenförderung bzw. Gleichberechtigung auf oberster Managementebene.

Warum macht es Spaß, für Linklaters zu arbeiten?

Mich reizt vor allem die enge Zusammenarbeit mit hervorragenden Kollegen und Mandanten aus aller Welt auf allerhöchstem Niveau. Wir blicken ständig über den eigenen Tellerrand und lernen ununterbrochen dazu, weil es praktisch nie vorgefertigte Lösungen gibt. Bei all der Professionalität kommt aber auch die menschliche Seite nicht zu kurz; der Umgang ist locker und es wird viel gelacht. Hinzu kommen flache Hierarchien und die Möglichkeit, etwas zu gestalten und Ideen umzusetzen.

Warum sind Sie Mentorin geworden? Hatten Sie selbst eine Mentorin?

Ich selbst hatte einen Mentor, denn auch Männer können sehr gute Vorbilder in Sachen Diversity und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein. Im Beruf erleben alle die gleichen inneren und äußeren Konflikte, nur die Erwartungen des sozialen Umfelds und die traditionellen Rollenbilder unterscheiden sich.

Ich möchte Mentorin sein, um jungen Frauen – und Männern! – Mut zu machen, manchmal auch gegen den Strom zu schwimmen und sich überraschen zu lassen, was alles möglich ist.

Was ist Ihnen im Austausch mit weiblichen Nachwuchstalenten wichtig?

Die Welt nicht rosarot zu malen und so zu tun, als wäre alles ganz einfach. Es ist wichtig, dass man sich auch über schwierige Momente und Entscheidungen austauscht. Das macht es leichter, die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen und Ängste, Zweifel und das ewig schlechte Gewissen abzulegen. Als (bald zweifache) Mutter weiß ich, wovon ich rede.

Welche persönlichen Erfahrungen als Frau in einer Wirtschaftskanzlei möchten Sie Nachwuchsjuristinnen mit auf den Weg geben?

Es reicht nicht, nur durch Leistung zu überzeugen, sondern man muss die eigene Leistung auch kommunizieren und zu vermarkten wissen. Frauen stellen ihr Licht viel zu oft unter den Scheffel und meinen, Fleiß allein sei genug. Außerdem scheuen viele Frauen das Risiko, aber ganz ohne wird man nichts erreichen. Man muss bereit sein, Kompromisse zu schließen, aber die eigene Identität oder den Wunsch nach Familie und Kindern muss man auf keinen Fall aufgeben.

Wie sieht Ihr Werdegang aus? Was ist besonders an ihm?

Nach meinem Doppelstudium in Deutschland und Frankreich und meiner Wahlstation in Peking wollte ich unbedingt in einem internationalen Umfeld arbeiten. Auch bei Linklaters bin ich viel herumgekommen, sowohl in den deutschen Büros als auch international, mit Stationen u.a. in Paris und London.

Was inspiriert Sie bei Ihrem Beruf als Anwältin?

Mich inspiriert vor allem die Zusammenarbeit in wechselnden internationalen und interdisziplinären Teams und die ständige Herausforderung, mit meinem erlernten Handwerkszeug und der nötigen Portion Erfahrung, Kreativität und Menschenkenntnis hochkomplexe Fragen zu lösen und Strategien zu gestalten. Jeder Fall, jeder Mandant, jedes Team und jeder Gegner sind völlig unterschiedlich, und wir fangen immer da an, wo Lehrbücher und Kommentare aufhören.