Der erste Eindruck zählt –

Ratgeber Teil I

In unserer neuen Ratgeber-Reihe „Be smart: Jura Knigge“ gibt Busi­ness-Coach Carolin Lüdemann konkrete Tipps für den Berufs­alltag und stattet die Juristen von morgen mit dem nötigen Handwerkszeug aus, um erfolg­reich und souverän im Job durchzu­starten.

Souverän auftreten, besser wirken, mehr erreichen

„Für den ersten Ein­druck gibt es keine zweite Chance“, besagt ein be­kanntes Sprich­wort. Glaubt man wissen­schaftlichen Erkenntnissen, ist an diesem Satz viel Wahres dran...
Dem­nach nehmen wir inner­halb von 0,3 bis 3 Sekunden einen ersten Ein­druck von unserem Gegen­über wahr, den wir im An­schluss nicht ohne weiteres revidieren können. Denn mit großer Wahr­scheinlichkeit setzt an dieser Stelle ein Schubladen­denken ein, dass es schwierig macht, nach dem ersten Ein­druck einen zweiten, objektiven und nüchter­nen Blick auf jemanden zu werfen. Das bedeutet im Umkehr­schluss: Wer sich im ersten Ein­druck souverän präsentiert, schafft beste Voraussetzun­gen und hohes Vertrauen für die weitere Zusammen­arbeit.

Im ersten Eindruck über­zeugen

Da der erste Eindruck innerhalb von 0,3 bis 3 Sekunden entsteht, wirken wir aufgrund der Kürze der Zeit hauptsächlich durch nonverbale Signale. Anders gesagt: Dass es uns gelingen könnte, innerhalb dieser kurzen Zeit­spanne jemanden nachhaltig mit Worten zu beeindrucken, scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Vielmehr lässt sich unser Gegen­über daher von dem Offen­sichtlichen rund um Körpersprache, Gestik, Mimik, Kleidung und all­gemeinem Erscheinungsbild lenken. Aus gutem Grund gilt es daher, sorg­fältig über Auftreten, Wirkung und non­verbale Signale zu reflektieren.

Haben wir uns nämlich erst einmal einen ersten Ein­druck gemacht, bleibt es fürs Erste dabei. Laut wissen­schaftlichen Erkenntnissen werfen wir im An­schluss nicht unbedingt einen objektiven Blick auf die Person, sondern nehmen vorzugsweise das wahr, was zu unserer Schub­lade passt und unseren ersten Eindruck bestätigt. Kurzum: Wir sehen das, was wir sehen wollen bzw. nehmen das, von dem wir meinen, dass es da sei, deutlich be­wusster und intensiver wahr, als andere Verhaltens­weisen der Person uns gegenüber. So weiß man, dass Bewerbern in Vorstellungs­gesprächen unbewusst leichtere Fragen gestellt werden, wenn sie einen überzeugenden ersten Eindruck hinterlassen konnten – umgekehrt wird jedoch auch ein Schuh daraus.
Zuerst überzeugt die Person – danach erst die Inhalte, welche die Person vorträgt. Je besser Sie als Person wirken, umso einfacher wird es für Sie, mit Ihren In­halten zu überzeugen.

Stimme, Sprache, Signale: Was im ersten Eindruck zählt

Durch welche Faktoren wirken wir also im ersten Eindruck? Einer Studie von Albert Mehrabian folgend, sind die Anteile der Kommunikation folgendermaßen verteilt:

  •     7 Prozent für die Sprache
  •     38 Prozent für die Stimme
  •     55 Prozent für non­verbale Signale

Auch wenn diese Stu­die nicht dem „ersten Eindruck“ gewidmet war, ist die Ten­denz durchaus übertragbar. Man muss sich nur fragen, wie viel eine an­dere Person innerhalb von 0,3 oder 3 Sekunden von ihrem Gegen­über überhaupt wahrnehmen kann. Es liegt auf der Hand, dass stattdessen nonverbale Signale wie Kleidung, Körper­sprache beziehungs­weise Gestik und Mimik eine entscheidendere Be­deutung haben.

Übrigens: Auch wenn wir im ersten Ein­druck nichts verschenken soll­ten, gibt es noch eine Chance für einen zweiten Ein­druck. Sollten wir uns in unserem Gegen­über getäuscht haben, können wir dem Irr­tum auf die Schliche kommen. Vorausgesetzt, wir verbringen einige Zeit im Bei­sein der Person und haben dabei ein Er­lebnis, welches in einem deutlichen Gegen­satz zu unserer Schub­lade steht. Aber warum sich das Leben un­nötig schwer machen? Setzen Sie für sich selbst doch auf einen souveränen ersten Ein­druck, um besser zu wirken und leichter mehr zu erreichen.

 

Unsere Expertin

Carolin Lüdemann ist Juristin, ausgebildeter Business-Coach, Trainerin für Fach- und Führungskräfte und Autorin. Sie unterstützt Menschen in Seminaren, Vorträgen und Coachings dabei, ihre Außenwirkung signifikant zu erhöhen und ist als Karriereexpertin immer wieder bei NTV und Sat. 1 zu sehen. Carolin Lüdemann war langjähriges Mitglied des Deutschen Knigge-Rats und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule Aalen für das Studienfach „Leadership Excellence and Communication“. Die Bücher „Der kleine Business-Knigge“ sowie „Die Kunst, zu wirken“ und alle weiteren Publikationen von Carolin Lüdemann finden Sie hier.